Binz-Besetzer denken nicht ans Gehen
Florian BissigDurch Zahlen einer Sicherheit von 20 000 Franken konnten sich die Besetzer des Fabrikareals in der Binz vor der Räumung retten. Wie es ab Juli 2010 weitergeht, ist ungewiss.
Bis unters Dach werden die Hallen des Areals mithilfe von gewagten Konstruktionen genutzt. Bilder: fb.
Die Besetzer der Fabrikhallen in der Binz haben eine weitere Runde in der Auseinandersetzung mit dem kantonalen Immobilienamt überstanden. Diesen Sommer hatten die rund 40 Personen, die sich Familie Schoch nennen, gegenüber den Behörden geltend machen können, dass eine Altlasten-Sondierung auch während der Besetzung erfolgen kann. Das Immobilienamt lenkte ein, und räumte den Besetzern die Möglichkeit ein, zu bleiben, allerdings nur unter gewissen Bedingungen. Die Besetzer sollten bei den Probebohrungen kooperativ sein, sie sollen das Areal bis Juli 2010 verlassen, und sie müssten eine Sicherheit von 20 000 Franken leisten.Die Besetzer haben auf diese Bedingungen entgegenkommend reagiert. Sie schlugen dem Kanton vor, dass sie das Geld - das für die Gruppe keine geringe Summe darstellt - bis Ende Jahr bezahlten. Die Antwort des Kantons auf diesen Vorschlag verschärfte dann die Tonlage: Die Familie Schoch habe innert rund dreier Wochen die Summe einzubezahlen, und die Sicherheit solle auch dafür bürgen, dass die Besetzer im Juli 2010 das Areal räumen und besenrein hinterlassen. Sonst würde das Areal von der Polizei geräumt.
Wofür ist die Kaution?
In der Familie Schoch war der Ärger über diese schroffe Drohgebärde gross. Die Besetzer bemühten sich stets um einen sachlichen Dialog. Dass die Behörden die Schochs ihrer Ansicht nach erpresst haben, statt gemeinsam ein sachbezogenes übereinkommen anzustreben, ist für sie eine Enttäuschung. Die Familie Schoch entschied sich aber, an der einzigen Version festzuhalten, die für sie vernünftig und haltbar scheint: Ohne weitere Kommunikationsversuche mit den Behörden kratzten die Schochs 20 000 Franken zusammen - und zwar in Fünfräpplern - und brachten sie dem Immobilienamt. Ihrer Ansicht ist dies aber lediglich eine Kaution für allfällige Entsorgungskosten, so wie es ursprünglich vereinbart war. Davon, dass die Besetzer im Juli 2010 definitiv ausziehen, wollen sie nichts wissen. Die Schochs wissen nämlich, dass die Sondierungsarbeiten unter Umständen bis zu zwei Jahre dauern können. Bevor die Belastung des Areals durch Altlasten nicht abgeklärt ist, kann der Kanton zudem keine Bedingungen für die Abgabe im Baurecht festlegen. Selbst wenn dann dereinst ein Baurechtsnehmer gefunden ist, muss dieser erst noch planen, und die Planung muss bewilligt werden. Dies alles kann Jahre dauern, und die Familie Schoch weigert sich, das Areal auf Vorrat zu verlassen, damit es nachher jahrelang ungenutzt liegt. So ist die nächste Runde zwischen den ungleichen Parteien bereits programmiert.Farbenfrohe Nutzung des Areals
Unterdessen geht aber das Leben in der Binz munter und kreativ weiter. In den drei Jahren, in denen die Familie Schoch das Areal besetzt hat, haben sich die rund 40 Personen hier ein Zuhause und einen Werkplatz geschaffen, der an Buntheit und Einfallsreichtum seinesgleichen sucht. Keine Mühen wurden gescheut, um die Hallen wohnlich und nützlich zu machen. Treppen wurden zusammengeschweisst, ganze Wände aufgestellt, Badezimmer und Küchen eingerichtet, Schlafzimmer, Balkone, ja ganze Terrassen in luftiger Höhe wurden zurechtgebastelt. Die Hallen beherbergen neben fünf Wohngemeinschaften mitsamt Küchen, Bädern, Stuben und Schlafzimmern auch Werkplätze. So gibt es ganze Parks von Autos, Motorrädern und Traktoren, die auf ihre Reparaturen warten, zudem haben verschiedene Handwerker komplette Werkstätten eingerichtet. Neben dem Notwendigen und Nützlichen haben die Schochs das ganze Areal auch mit unzähligen Kunst- und Kunsthandwerks-Objekten verschönert. Neben Wandbehängen und Skulpturen sind in der Binz monumentale Kunstwerke zu sehen, die luftigen Hallen in ihrer ganzen Höhe ausnützen und den Gang durch das Areal zu einem Erlebnis machen.ZURÜCK ZU PRESSE --->