Sängerin Evelinn Trouble spielt eine Kriegshexe
Peter Aeschlimann (Text)Sophie Stieger (Bild)
Mit ihrem neuen Clip «Warface» protestiert die Zürcherin gegen Schweizer Waffenexporte. Unterstützung erhält sie von der GSoA und den Binz-Bewohnern.
Evelinn Trouble hetzt als «Warface» eine Friedenstaube durch den Hardturm Ð ohne Rücksicht auf Verluste.
Im hüfthohen Unkraut stecken schräg ein paar Holzkreuze. Dahinter kauern Clowns in Vierfruchtpyjamas, bewaffnet mit Besen und Rauchbomben. Dann fährt die Kriegshexe in die Hardturm-Ruine ein. Sie thront im weissen Hochzeitskleid auf einem zum Panzer umgebauten Leiterwagen, das Gewehr im Anschlag. Es gibt Tote. Und dann wird die Szene wiederholt.Songwriterin Evelinn Trouble dreht den Videoclip zur neuen Single «Warface». Regisseur Benjamin Weiss erklärt: «In diesem Krieg sterben alle Soldaten. Nur Evelinn überlebt, sie verkörpert das hässliche Gesicht des Krieges.» Sie profitiere dabei als Einzige vom mörderischen Treiben. Wie die Schweiz, wenn diese Kriegsmaterial ins Ausland exportiere. Ein Waffendeal sei immer eine Hochzeit des Geldes mit dem Tod, sagt Evelinn Trouble in einer kurzen Drehpause, darum die Aufmachung als Braut mit Patronengürtel-Collier. Mit ihrem Song unterstützt die Sängerin die Kampagne der GSoA-Initiative für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten, die am 29. November zur Abstimmung kommt. Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee finanziert den Clip. 2000 Franken kostet die Lowbudget-Produktion, Crew und Statisten arbeiten gratis.
Der Panzergeneral ist Hausbesetzer
Die aufwendigen Requisiten haben Bewohner der Binz beigesteuert. Besonders stolz ist man auf den Panzer. Nach dem Dreh werde dieser für die Verteidigung der Binz eingesetzt. Die Besetzer müssen das Areal bald räumen, da der Kanton abreissen will. «Wenn es soweit ist, kann das Gefährt noch viel mehr als nur schiessen», sagt ein Panzergeneral. «Auch die Binz rüstet auf, es wird noch Action geben.»Vorerst muss das Vehikel aber noch im Hardturm für Action sorgen. Unter der glühenden Sonne schieben die Soldaten ihren Leiterwagen-Panzer ein weiteres Mal hinter den Hardturm und bringen sich in Stellung. Der Regisseur ist mit der Massenszene noch nicht zufrieden. Er sagt: «Mayo, du bist zu früh gestorben.»
ZURÜCK ZU PRESSE --->