Wer den Fünfer nicht ehrt
Daniel J. SchüzAus der Zahlung von 20 000 Franken machten die Zürcher Hausbesetzer eine Aktion. Sie beglichen den Betrag mit Fünfräpplern. Nun stellt das Bauamt die Umtriebe in Rechnung.
400 000 Fünfräppler, 720 Kilo Geld, in 8 Schubkarren: Gerhard Schmid vom Zürcher Bauamt findet die Aktion respektlos. Foto «Familie Schoch»
Ungewohnte Geräusche lassen die Beamten der Zürcher Kantonsverwaltung am Morgen des 29. September aufhorchen: Stimmengewirr und Händeklatschen dringen vom Eingang her in die Amtsstuben. Wohl eine Veranstaltung, denkt Gerhard Schmid. Doch dann läutet das Telefon: Er müsse kommen, sagt seine Sekretärin, da stünden vermummte Gestalten, Fotografen - un Schubkarren voller Geld.Der Leiter der Abteilung Landerwerb im Bauamt weiss im ersten Moment nicht, ob er belustigt sein oder sich belästigt fühlen soll: Er steht vor acht Schubkarren, gefüllt mit 400 000 Fünrappen-Münzen, 720 Kilo Geld im Nennwert von 20 000 Franken. Der Betrag entspricht der Höhe einer Kaution, die das Amt den Bewohnern eines Fabrikareals im Binz-Quartier in Rechnung gestellt hat, «um allfällige Unkosten zu decken, die anfallen, wenn nach dem Verlassen einer besetzten Liegenschaft Berge von Müll entsorgt werden müssen.»
Die «Familie Schoch», wie die Besetzer sich nennen, hat bezahlt - unter Protest zwar, aber termingerecht und bar. Es sei nicht einfach gewesen, so viele Münzen aufzutreiben, sagt ein junger «Herr Schoch»: «Wir haben die Fünräppler bei diversen Instituten und Betrieben zusammengetragen.» «Frau Schoch», eine junge Bernerin, mit ihm weder verheiratet noch verwandt, ergänzt: «Mit der Aktion wollen wir zum Ausdruck bringen, dass Geld nicht alles ist, dass es andere Wertvorstellungen gibt.»
«Herr Schoch» und «Frau Schoch» sind Mitglieder einer eigenwilligen Wohngemeinschaft. Im Mai 2006 haben sich vierzig Frauen und Männer an der Uetlibergstrasse 111 eingefunden und begonnen, die baufälligen Gemäuer einer längst stillgelegten Giesserei mit kreativem Chaos zu beleben. «Wohn- und Lebensraum», sagt «Frau Schoch», «darf nicht ungenutzt brachliegen.»
Der Kanton als Besitzer der Immobilie duldete die Besetzung unter der Bedingung, dass die Kaution bis Ende September geleistet werde - «und zwar über eine normale Bankverbindung», präzisiert Gerhard Schmid. Tagelang musste er Fünräppler zwichen Sitzungszimmer und Büros «umegarettle», bis dann eindlich der Geldtransporter vorfuhr, um das Münz abzuholen und bei einer Spezialfirma zählen zu lassen.
Zwischen Behörde und Besetzern herrscht Unmut, hüben und drüben hagelt es Vorwürfe. «Die Aktion» sagt Schmid, «ist in Anbetracht des entstandenen Aufwands respektlos.» Die «Familie Schoch» hingegen wittert hinter der geforderten Kaution die Drohung einer polizeilichen Räumung und fühlt sich «erpresst», während Thomas Maag, Mediensprecher des Kantons, in der unkonventionellen Bezahlung einen «PR-Gag» sieht, der «den Kanton in die Rolle des bösen Verwalters rückt: Witzige Ideen wirken sympathisch - entsprechend humorlos sieht die Behörde aus, die im Interesse der Steuerzahler geltendes Recht anwendet.»
Die Kosten für den Transport und die Zählung der Fünfräppler, rund 2500 Franken, werden von der Kaution abgezogen und nachgefordert - wieder allerdings abzüglich 10.45 Franken: «Familie Schoch» hatte 209 Fünfräppler zuviel verladen.
Im Sommer fällt der Entscheid über die künftige Nutzung des Binz-Geländes. «Dann nehmen wir die Rückzahlung auch in Münz entgegen», scherzt «Frau Schoch», «Uns gilt der Fünfer noch was!»
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